Katalysejournal | Artikel Nr.: 18368

Haben Sie keine Zeit?


Köln, 07.11.2011: Täglich werden wir mit technischen Freizeit- und Arbeitsgeräten konfrontiert, die viele von uns latent überfordern und der gehetzten „Generation Mausklick“ vor allem viel Lebenszeit kosten. In seinem Buch „Speed“ beleuchtet Florian Opitz Licht- und Schattenseiten der schönen neuen schnellen Welt.

Unser Leben ist beschleunigt bis zum Anschlag. Die Technik, die seit der Erfindung der Dampfmaschine verhießen hat, uns ein immer bequemeres und genussreicheres Leben zu verschaffen, ist dabei, uns zu versklaven. Mit dem Takt, den globale Informationsübermittlung in Echtzeit über Handy, Blackberry und iPhone vorgibt, haben Menschen kaum noch die Chance mitzukommen.

Wer treibt dieses Hamsterrad an, in dem wir alle leben? Und wo ist all die Zeit geblieben, die wir in den letzten Jahrzehnten durch immer ausgeklügeltere Technologien, Synergieeffekte und Effizienzmodelle gespart haben? Woher kommt dieser ständige Drang nach Beschleunigung überhaupt?

Florian Opitz befragt und beobachtet Menschen, die sich, jeder auf seine Weise, mit dem rasenden Takt unseres Lebens arrangieren: eine Unternehmensberaterin, einen Informationsbroker, eine Krankenschwester, eine Pilotin, einen Burnout-Arzt, eine Bergbauernfamilie und viele mehr. So zeichnet er ein eindringliches Bild von den Hoffnungen und der Hilflosigkeit unserer Gesellschaft, etwas Sinnvolles aus der kostbaren Lebenszeit zu machen.

Der deutsche Singer-Songwriter Tim Bendzko drückt in seinem Lied aus, wie für viele die digitalen Alltagszwänge aussehen: „Muss nur noch kurz die Welt retten, danach flieg' ich zu dir. Noch 148 Mails checken, wer weiß was mir dann noch passiert, denn es passiert so viel. Muss nur noch kurz die Welt retten und gleich danach bin ich wieder bei dir.“

Die Mails können warten und die Rettung der Welt ohnehin, bevor wir uns nicht zuerst um unsere Familienangehörigen, Freunde und Bekannten gekümmert haben. Deshalb: Schalten Sie öfters mal ab und ziehen Sie alle Stecker. Sollten Sie dann unter Langeweile oder Entzugserscheinungen leiden, nutzen Sie die freigewordene Zeit zum Lesen dieses hervorragenden Buches! Und sagen sie jetzt bloß nicht, Sie haben keine Zeit!

Der Autor, Florian Opitz
(geboren 1973 in Saarbrücken) ist ein deutscher Dokumentarfilmregisseur, Autor und Journalist. Nach einem Studium der Geschichte, Psychologie sowie englischer und amerikanischer Literaturwissenschaft arbeitet er seit 1998 als Dokumentarfilmregisseur für verschiedene Fernsehsender in Deutschland und Europa. Mit dem Dokumentarfilm "Der große Ausverkauf" (2006) gab Florian Opitz sein Kinodebüt als Regisseur und wurde dafür 2009 mit dem Adolf-Grimme-Preis ausgezeichnet.

Florian Opitz
Speed
Auf der Suche nach der verlorenen Zeit
Riemann Verlag, München 2011, 288 Seiten, gebunden, 17,95 Euro
ISBN 978-3-570-50128-3

Buchrezension bearbeitet von: text & pressebüro – Dr. Thomas Wardenbach, Köln
Autor: Dr. Thomas Wardenbach
Aufrufe seit August 2009
Stand: 9. Oktober 2011
Erstellt: 8. Oktober 2011

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