Versuchstier Affe Verlierer auf EU- und Bundesebene
Aachen, 19.05.2010: Mit dem Affen als Tier des Monats Mai möchte der Bundesverband Menschen für Tierrechte die aktuelle Situation von Affen als Versuchstiere in den Fokus stellen. Denn die neue EU-Tierversuchs-Richtlinie, die die Versuchstierpraxis in der EU auf Jahre festschreiben und damit auch Affenversuche weiterhin legitimieren wird, wird in den kommenden Monaten in Brüssel verabschiedet.
Zudem hat das Verwaltungsgericht Bremen den ersten mündlichen Verhandlungstermin hinsichtlich Fortsetzung der aufsehenerregenden Affenversuche des Bremer Hirnforschers Prof. Dr. Andreas Kreiter für den 28. Mai anberaumt.
Die kürzliche Medienmeldung, die EU stoppe durch die Richtlinie Menschenaffen-Versuche ist falsch. Obwohl in der EU bereits seit Jahren an Menschenaffen keine Versuche mehr durchgeführt werden, lässt der aktuelle Richtlinienentwurf Versuche an diesen Tieren zu deren Arterhaltung sowie zur Erforschung schwerer Humanerkrankungen zu. Aber auch die Verwendung anderer Affen, sogenannter nicht menschlicher Primaten, ist weiterhin nahezu uneingeschränkt möglich. Ein generelles Verbot der Affenversuche auf EU-Ebene ist gescheitert. Leider hat die Bundesregierung allen voran Bundesforschungsministerin Annette Schavan
sich dem tierversuchsbefürwortenden Mainstream der übrigen EU-Staaten angepasst und sich nicht für ein generelles Verbot engagiert. Leidvoll bluten müssen deshalb weiterhin insbesondere Rhesus-, Javaner-, Krallenaffen und Marmosetten. Obwohl das EU-Parlament 2007 den generellen Ausstieg aus Primatenversuchen gefordert hatte, hat es im Richtlinienentwurf diese Forderung nicht durchgesetzt, so Dr. Kurt Simons, Vorsitzender des Bundesverbandes Menschen für Tierrechte.
2.285 Affen wurden 2008 bundesweit laut Versuchstierstatistik des Bundeslandwirtschaftsministeriums eingesetzt. Davon wurden 1.858 Affen in besonders quälerischen, bis zu wochenlang andauernden Giftigkeitsprüfungen und anderen Sicherheitsstudien eingesetzt, um Produkte oder Geräte für die Human-, Zahn- oder Veterinärmedizin zu testen. Für die Grundlagenforschung, dazu gehört die Hirnforschung, wurden deutlich weniger, nämlich 92 Affen, eingesetzt.
Hirnforschungsversuche, wie die des Prof. Dr. Andreas Kreiter, werden zunehmend als medizinisch fragwürdig und als ethisch nicht mehr vertretbar empfunden. Da die Bremer Gesundheitsbehörde den Antrag auf weitere Genehmigung zurückwies und der Forscher dagegen Widerspruch einlegte, wird nun das Verwaltungsgericht Bremen entscheiden. Ein Verfahren mit großer Tragweite für den Tierschutz, denn hier wird der im Grundgesetz verankerte Schutz der Tiere mit dem Grundrecht der Forschungsfreiheit abgewogen! Giftigkeitsprüfungen, für die das Gros der Affen eingesetzt wird, können aber erst dann aufhören, sobald es anerkannte Ersatzverfahren gibt, betont Simons.
Mit der monatlichen Vorstellung einer Tierart, die in Tierversuchen eingesetzt wird, möchte der Bundesverband Menschen für Tierrechte die natürliche Lebensweise der Tiere bekannter machen, ihre Verwendung in Experimenten aus der Anonymität holen und die Forderung nach Ersatzmethoden verstärken.
Ausführliche Informationen: www.tier-des-monats.tierrechte.de
Stand: 19. Mai 2010
Erstellt: 19. Mai 2010
Weitere Meldungen zum Thema "Tierversuche":
| EU will sich aus Tierschutz zurückziehen Hamburg / Brüssel, 25.01.2012: Die neue Tierschutzstrategie der Europäischen Union für 2012 bis 2015 stößt bei Tierschützern auf Wiederstand. |
| Beagles aufgepasst: VIER PFOTEN sucht neues Kampagnen-Gesicht Hamburg, 04.01.2012: Tausende Beagles werden jedes Jahr in Tierversuchen missbraucht. Um die Einzigartigkeit und Liebenswürdigkeit dieser Hunde hervorzuheben, macht die Tierschutzorganisation VIER PFOTEN den Beagle jetzt zum Held einer Anti-Tierversuchskampagne. |
| Neue Undercover-Aufnahmen aus US-Primatenlabor Gerlingen, 14.12.2011: Es sind unvorstellbare Qualen, die Affen in den Shin Nippon Biomedical Laboratories (SNBL), ansässig in Everett, USA, in grausamen Experimenten erleiden müssen, wie nun eine Informantin enthüllte. |
| Neues Spendertier-Programm rettet Tierleben - Bundesverband Menschen für Tierrechte ruft zum Mitwirken auf Aachen, 09.12.2011: Ein verstorbenes Haustier kann Leben retten wenn der Besitzer es nach seinem Tod für das Studium angehender Biologen und Tierärzte zur Verfügung stellt. Hierfür hat der Bundesverband Menschen für Tierrechte jetzt einen Leitfaden erstellt. |
| Madonna stoppt Botox-Behandlungen: Hunderte Tiere vor grausamen Laborversuchen gerettet Hamburg, 08.11.2011: Pop-Ikone Madonna hat angekündigt, in Zukunft nie wieder Botox-Spritzen gegen Falten einzusetzen. Wie der Daily Mirror berichtet, mache Madonna sich Sorgen, durch die Botox-Behandlungen freakish auszusehen. |
| Soeben veröffentlicht: Versuchstierzahlen 2010 – weiter gestiegen Aachen, 02.11.2011: Die aktuell herausgegebene Statistik des Bundeslandwirtschaftsministerium zeigt: Die Versuchstierzahlen sind auch 2010 weiter gestiegen. Gegenüber dem Vorjahr sind es 2,5 Prozent bzw. 69.881 Tiere mehr. |
| US-Armee will wieder Schweine quälen Ronneburg / Hamburg, 05.10.2011: Die US-Armee will in Deutschland zu Ausbildungszwecken Schweine schlagen, mit Messern verwunden und sogar einzelne Gliedmaßen amputieren. |
| EU-Bericht über Alternativen zu Tierversuchen im Bereich Kosmetik Hamburg / Brüssel 17.09.2011: Die Europäische Kommission hat ihren neunten Bericht zur Entwicklung, Validierung und rechtlichen Akzeptanz von alternativen Methoden zu Tierversuchen im Bereich Kosmetika veröffentlicht. |
| Dokumentation in Spielfilmlänge: Earthlings - Erdlinge Saarlouis, 14.09.2011: "Earthlings" ist eine Dokumentation in Spielfilmlänge über die absolute Abhängigkeit der Menschheit von Tieren (als Haustiere, Nahrung, Kleidung, zur Unterhaltung und in der wissenschaftlichen Forschung), veranschaulicht aber auch unsere Geringschätzung gegenüber diesen sog. "nicht-menschlichen Versorgern". |
| Tierschutzbericht: Kleine Erfolge, viele Enttäuschungen Hamburg, 20.08.2011: Diese Woche hat die Bundesregierung den aktuellen Tierschutzbericht 2011 veröffentlicht. Darin zieht eine positive Bilanz für den Zeitraum 2007 bis 2010. Die internationale Tierschutzorganisation VIER PFOTEN sieht allerdings erhebliche Mängel und dringenden Handlungsbedarf. |
in Kooperation mit der André Sepeur Medienberatung, Saarlouis
Das KATALYSE-Journal ist ein Projekt der André Sepeur Medienberatung, Saarlouis.
Die presserechtliche Verantwortlichkeit entnehmen Sie bitte den Kontaktdaten des folgenden Impressums
© 1999 - 2012










