KATALYSE-Journal
| Artikel Nr.: 15967
Katastrophenschutz am Urlaubsort
Potsdam, 12.08.2009: Das Frühwarnsystem gegen Erdbeben im Großraum Istanbul und der Maramara-Region wurde durch innovative Systemkomponenten ausgebaut. Die Region an der die Schnittstelle zwischen der Anatolischen und der Eurasischen Platte ist nun besser auf zukünftige Erdbeben in der Nähe von Istanbul vorbereitet. Durch die Erweiterung des Frühwarnsystems, das nach dem Beben vom 17. August 1999 bei Izmit mit fast 20,000 Toten errichtet wurde, ist der Großraum der Megacity Istanbul nun besser auf ein starkes Beben vorbereitet.Das Sensorennetzwerk, dass im Rahmen des GEOTECHNOLOGIEN-Projektes EDIM (Earthquake Disaster Information System for the Marmara-Region) unter Leitung der Universität Karlruhe in der Megacity aufgebaut wird, ergänzt das bereits existierende Stationsnetz. Die bisherigen 10 seismologischen Stationen zur Erfassung von Erdbeben werden in den kommenden Monaten durch weitere 10 Instrumente ergänzt.
Hierzu arbeitet das Ein Projekt ist ein zeitlich begrenztes Entwicklungsvorhaben zum Lösen von Problemen, deren Erfüllung eine Organisation erfordert, die die Umsetzung der Aufgaben plant, steuert, durchführt und kontrolliert. Projekt eng mit dem Kandilli Observatorium und Erdbeben-Forschungszentrum (KOERI) an der Universität Istanbul zusammen. Ein zusätzliches so genanntes selbstorganisierendes Der Begriff Netzwerk bezeichnet soziale Beziehungsgeflechte zwischen Menschen, oder Organisationen/Institutionen. Der Begriff Netzwerk wird auch für einen Verbund von Computern benutzt.
Netzwerk von Sensoren wurde an verschieden Orten Istanbuls installiert.
Die Sensoren sind untereinander drahtlos verbunden, so dass selbst beim Ausfall einiger Stationen noch ausreichend Informationen zur Verfügung stehen. Diese innovative Kommunikationstechnologie wurde in Kooperation mit dem Helmholtz-Zentrum Potsdam, Deutsches GeoForschungsZentrum (GFZ) und der Humboldt-Universität Berlin entwickelt.
Im Fall eines Erdbebens werden alle Messdaten an ein Lagezentrum übertragen, dort analysiert und Sofortmaßnahmen können initiiert werden. So sollen Folgeschäden, wie sie zum Beispiel Großfeuer durch zerrissene Gasleitungen und unterbrochene Stromleitungen, minimiert werden. Der öffentliche
Verkehr verursacht Umweltauswirkungen, die v.a. durch die Transportaktivitäten und durch den Ausbau und Erhalt der Verkehrsinfrastruktur entstehen.
Verkehr
kann angehalten, Brücken und Tunnel gesperrt und die chemische Produktion gedrosselt werden."Die Behörden werden zudem in die Lage versetzt, schnell Ort und Art der Schäden eines Bebens abzuschätzen", so Prof. Friedemann Wenzel vom Zentrum für Katastrophenmanagement und Schadensreduktion CEDIM an der Universität Karlruhe und Projektkoordinator von EDIM. Hierzu wird ein neuartiges Informationsmanagement entworfen, dass es den Verantwortlichen erlauben wird, sich ein schnelles Bild der Lage zu machen und effektive Entscheidungen zu treffen.
"Angesichts der möglichen Erdbebenintensivität in der Region, ist der Zugang zu Ergebnissen der Gebäudeschadensberechungen aufgrund von Erdbeben im Web ein sinnvolles Instrument für Zivil- und Katastrophenschutzeinrichtungen vor Ort" berichtet Prof. Erdik, zuständiger Projektpartner am KOERI Institute. Erste Systembausteine hierzu wurden vom deutschen Industriepartner delphi IMM aus Postdam auf einem Workshop im Mai dieses Jahres der Bosporus Universität in Istanbul übergeben. "Damit ist EDIM ein weiteres Beispiel, wie sich die Zusammenarbeit zwischen Forschungsinstitutionen und Unternehmen erfolgreich in konkreten Technologieanwendungen umsetzen lässt", so Dr. Ludwig Stroink, Leiter der Geschäftsstelle GEOTECHNOLOGIEN.
Ähnliche Systeme werden bereits mit großem Erfolg in Japan eingesetzt und für Taiwan und Kalifornien entwickelt. Erstmals werden die Sensoren in Istanbul nun aber kabellos unter einander und mit dem Lagezentrum kommunizieren. Im Fall das mehrere Stationen im Netz ausfallen oder die Stromversorgung oder Telekommunikation der Region ausfällt, sind so immer noch genügend Daten abrufbar, die eine umfangreiche Analyse der Situation erlauben. "Experimente mit Sensoren auf der Istanbuler Fatih-Brücke oder im Stadtteil Ataköy haben bereits die Effizienz des Systems bestätigt", so Wenzel.
Geplant ist, dass ab 2010 das Sensoren- und das Kommunikationsnetz funktionsfähig sind. Nach Schätzungen von Geowissenschaftlern ist eine solche Installation auch dringend notwendig. Mit rund 66% Wahrscheinlichkeit wird sich in den nächsten 30 Jahren ein Beben der Intensität 7 oder stärker in der Region Istanbul ereignen, so eine Studie des United States Geological Survey (USGS) und der Technischen Universität Istanbul aus dem Jahr 2000.
Zusätzliche Informationen:
o 17. August 1999, rund 17.000 Menschen verlieren nach Angaben der Bundesanstalt für Geowissenschaften und Rohstoffe in Hannover (BGR) ihr Leben, als bei Izmit in der Westtürkei die Erde bebte.
o Ein Forschungsteam um Ross Stein und James Dieterich vom USGS sowie Aykut Barka von der Technischen Universität Istanbul, hat in einem groß angelegten Forschungsprojekt festgestellt, das die Epizentren starker Erdbeben in der Türkei in den letzten hundert Jahren eine Wanderung der Hauptaktivität in Richtung Westen erkennen lassen. Dies bringt Istanbul - am westlichen Ende der aktiven Verwerfungszone - als stark gefährdete Region in den Fokus der Geowissenschaftler.
o Was bedeutet Frühwarnung?
Wenn ein Ereignis mit Schadenspotential wie ein Erdbeben oder ein Tsunami stattgefunden hat, besteht in der Regel ein kurzes Zeitfenster, bis zum Zeitpunkt, an dem die Auswirkungen dieses Ereignisses zum Beispiel in der nächstliegenden Stadt oder an der nahen Küste eintreten. So können Lage und Stärke der Erdbeben anhand der so genannten P-Wellen schnell identifiziert werden. Diese Wellen haben aber kaum Schadenspotential und sind in der Regel auch von den Menschen nicht spürbar. Die deutlich langsameren sekundären Wellen (die so genannten S-Wellen oder auch die Oberflächenwellen) erreichen den Beobachtungsstandort erst viele Sekunden später. Diese Sekunden können genutzt werden, um zum Beispiel Gasleitungen abzusperren, den öffentlichen Verlehr anzuhalten oder chemische Produktionen zu drosseln. Auf diese Weise können zwar Gebäudeschäden nicht verhindert werden, Folgeschäden zum Beispiel durch Großfeuer oder chemische Verseuchung von Gegenständen, Räumen oder Umwelt (Boden) durch giftige Chemikalien, insb. auch radioaktive Substanzen (Radioaktivität). Kontamination werden aber minimiert.
Autor: Koordinierungsbüro Geotechnologien
1458 Aufrufe
Stand: 12. August 2009
Erstellt: 12. August 2009
Stand: 12. August 2009
Erstellt: 12. August 2009
Weiterführende Informationen:
Weitere Meldungen zum Thema "Erdbeben, Urlaub":
| Wie billig ist Atomstrom wirklich, Herr Oettinger? (Ein Kommentar von Franz Alt) Baden Baden, 16.12.2011: Der japanische Atomkraftwerksbetreiber Tepco muss für den Rückbau und für Entschädigungen wegen des Atomunfalls im März 2011 bis zu 100 Milliarden Euro aufwenden. Da drängt sich die Frage auf: Wie teuer ist der angeblich billige Atomstrom wirklich? |
| Umweltkatastrophen Köln, 01.12.2011: Ernst Ulrich von Weizsäcker sagt zu diesem Buch: Leider lernen die meisten erst aus den Katastrophen. Für die ist das das richtige Buch. Und für die, die vermeidbare Katastrophen verhindern wollen, für die erst recht!" |
| Verschwendernation Deutschland: 20 Millionen Tonnen Lebensmittel für den Müllcontainer München, 16.11.2011: Schlecht organisierte Warenwirtschaft hat fatale Folgen. 250 Kilo Nahrungsmittel entsorgt jeder Deutsche pro Jahr. Zu diesem Ergebnis kam eine Untersuchung des EHI, eines wissenschaftlichen Instituts, das dem internationalen Handel angehängt ist. |
| Lange Reisen führen die Deutschen meist ins Ausland Brüssel, 27.09.2011: Die Deutschen sind Europameister bei Auslandsreisen. In absoluten Zahlen fahren die Einwohner Deutschlands viel häufiger ins Ausland als Menschen aus anderen EU-Staaten. |
| Menschensafaris überschatten UN-Welttourismustag Berlin / London, 26.09.2011: Tourismus und Reisen können Kulturen verbinden und ein "Sprungbrett für den Weltfrieden" darstellen, so die Vereinten Nationen. Doch während die Welt am Dienstag den 31. Welttourismustag begeht, hat Survival International von einem mutmaßlichen sexuellen Übergriff auf eine indigene Frau auf Indiens beliebten Andamanen Inseln erfahren. |
| Einsatz für Wald und Wiese: Freiwillige engagieren sich für Naturerbe auf Usedom Peenemünde / Osnabrück, 26.09.2011: So lässt sich der Urlaub sinnvoll verbringen: An der frischen Luft arbeiten und dabei eine Menge über sich und verschiedene ökologische Lebensräume lernen. Vom 26. September bis 1. Oktober ist das für 25 freiwillige Teilnehmer aus ganz Deutschland auf der Ostseeinsel Usedom möglich: |
| Reisen ohne schlechtes Gewissen: Nachhaltige Angebote schonen Menschen und Umwelt Berlin, 20.09.2011: Für viele Menschen ist der Urlaub die schönste Zeit im Jahr. Dass der weltweite Tourismus auch negative Auswirkungen auf die Reiseländer, für die Umwelt und das Klima hat, ahnen manche beim Anblick der zubetonierten Küsten. |
| Kontamination - Die Tage danach Saarlouis, 19.09.2011: Die Laufzeitverlängerung für die deutschen Atomkraftwerke durch die deutsche Schwarz-Gelbe-Regierung im Herbst 2010 gab dem Autor den Anstoß, das Buch Kontamination - Die Tage danach zu schreiben. Der spannende Roman ist noch vor den Ereignissen im japanischen Fukushima geschrieben worden und dort zu einer erschreckenden Realität geworden. |
| Reeder müssen dreiste Behauptung erfüllen: Verzicht auf Schweröl für Kreuzfahrt sofort möglich Hamburg, 29.08.2011: Es stimmt einfach nicht, dass die deutschen Reeder alle vorhandenen Möglichkeiten einsetzen, um die giftigen Abgase ihrer Kreuzfahrtschiffe zu reduzieren. |
| Systematische Misshandlung von Elefanten in Nepal - PETA veröffentlicht Recherchematerial Gerlingen, 23.08.2011: Verbrannt, geschlagen und gedemütigt. Mit weit aufgerissenen Augen und an Pfähle gekettet ertragen verängstigte Jungelefanten die fürchterliche Tortur. |
Umweltlexikon-online.de ist ein Projekt des
KATALYSE Institutes, Köln
in Kooperation mit der André Sepeur Medienberatung, Saarlouis
Das KATALYSE-Journal ist ein Projekt der André Sepeur Medienberatung, Saarlouis.
Die presserechtliche Verantwortlichkeit entnehmen Sie bitte den Kontaktdaten des folgenden Impressums
© 1999 - 2012
in Kooperation mit der André Sepeur Medienberatung, Saarlouis
Das KATALYSE-Journal ist ein Projekt der André Sepeur Medienberatung, Saarlouis.
Die presserechtliche Verantwortlichkeit entnehmen Sie bitte den Kontaktdaten des folgenden Impressums
© 1999 - 2012










