Katalysejournal | Artikel Nr.: 18865

Gefährlicher Kontakt: Neue Nahaufnahmen unkontaktierter Indianer


Berlin / London, 31.01.2012: Survival International hat neue Nahaufnahmen unkontaktierter Indianer veröffentlicht, genau ein Jahr nachdem Luftaufnahmen eines unkontaktierten Volkes in Brasilien um die Welt gingen.

Die neuen Bilder zeigen eine unkontaktierte Familie der Mashco-Piro-Indianer in Peru.

Die Mashco-Piro leben im Manú- Nationalpark im Südosten Perus. In den vergangenen Monaten wurden ihre unkontaktierten Angehörigen vermehrt gesichtet. Es wird vermutet, dass illegale Holzfäller im und um den Park sowie tieffliegende Helikopter der naheliegenden Öl- und Gasprojekte, die Indianer aus ihrer Heimat im Wald treiben.

Die Mashco-Piro sind eines von ungefähr 100 unkontaktierten Völkern weltweit.

Vor genau einem Jahr gingen die von Survival veröffentlichten Luftaufnahmen einer gesunden unkontaktierten Indianergemeinde aus Brasilien um die Welt. Die neuen Bilder sind die detailliertesten Aufnahmen, die es bisher von unkontaktierten Indianern gibt.

Die Gefahr, die eine Kontaktaufnahme mit Völkern in freiwilliger Isolation darstellt, wurde jedoch erst kürzlich durch den Tod des Matsigenka-Indianers Nicolás “Shaco” Flores bestätigt.

Flores wurde in der Nähe des Manú-Nationalparks durch den Pfeil eines unkontaktierten Indianers getötet. Er hatte seit fast 20 Jahren Essen und kleine Geschenke für eine kleine Gruppe Mashco-Piro Indianer ausgelegt. Glenn Shepard, Anthropologe und Freund des Opfers, schrieb in seinem Blog und für Anthropology News: "Shacos Tod ist eine Tragödie: Er war ein freundlicher, mutiger und kluger Mann. Er glaubte, dass er den Mashco-Piro helfen würde. Sogar bei diesem tragischen Zwischenfall, haben die Mashco-Piro jedoch erneut ihren felsenfesten Wunsch ausgedrückt, allein gelassen zu werden."

Beatriz Huertas, eine peruanische Expertin für unkontaktierte Völker, beschrieb diesen Fall gegenüber Survival als sehr "ungewöhnlich, komplex und extrem heikel". "Es könnte jeden Moment zu Kontakt kommen," sagte Huertas. "Wir müssen präventive Maßnahmen ergreifen und mit den lokalen Behörden so schnell wie möglich einen Notfallplan erarbeiten, um sicher zu stellen, dass so etwas nicht wieder passiert."

Survival schrieb bereits im vergangenen Jahr an SERNANP, Perus Ministerium für Schutzgebiete, über besorgniserregende Berichte von Touristen, welche am Flussufer Kleidung für Indianer zurücklassen. Ein solcher Vorfall wurde in einem Video dokumentiert. Das Gebiet wurde daraufhin für Touristen geschlossen und eine Warnung an lokale Bewohner herausgegeben.

Die Indianer-Behörde INDEPA plant die Einrichtung eines Wachpostens, um sowohl die unkontaktierten Gruppen als auch die lokale Bevölkerung zu schützen.

Survivals Direktor Stephen Corry sagte heute: "Diese Bilder belegen noch einmal eindrücklich die Existenz unkontaktierter Völker. Es ist nicht mehr akzeptabel für Regierungen, Unternehmern oder Anthropologen dies zu bestreiten. Der erste Kontakt ist immer gefährlich und oft tödlich - für die Unkontaktierten und für jene, die versuchen sie zu kontaktieren. Der Wunsch der Gruppen, allein gelassen zu werden, sollte respektiert werden."

Lesen Sie diese Meldung online >

Autor: Survival Deutschland
Aufrufe seit August 2009
Stand: 31. Jänner 2012
Erstellt: 31. Jänner 2012

Weitere Meldungen zum Thema "Brasilien":

im Journal
Social Buttons
Folgen Sie uns nach Facebook


Top-News Sonstiges
Inside-Job: Peru nimmt Land unkontaktierter Völker ins Visier
Inside-Job: Peru nimmt Land unkontaktierter Völker ins Visier
Berlin / London, 18.05.2012: Noch nicht veröffentlichte Pläne besagen, dass Peru aktiv versucht, Gasvorkommen auf dem geschützten Land indigener Völker zu erschließen.
Weiterlesen
`Grüne Tunnel` im Blick: BUND startet Fotowettbewerb zur „Allee des Jahres 2012“
`Grüne Tunnel` im Blick: BUND startet Fotowettbewerb zur „Allee des Jahres 2012“
Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND) auch in diesem Jahr wieder seinen Alleen-Fotowettbewerb gestartet.
Weiterlesen
Buschleute in Angst: Sicherheitskräfte kehren in die Kalahari zurück
Buschleute in Angst: Sicherheitskräfte kehren in die Kalahari zurück
Berlin / London, 10.05.2012: Mitglieder der Buschleute in Botswana werden von Sicherheitskräften verhaftet und eingeschüchtert, obwohl ihnen das Recht zusteht, in dem Central Kalahari Game Reserve (CKGR) zu leben und zu jagen.
Weiterlesen
Klick in die Vielfalt 2012 - Fotowettbewerb zur UN-Dekade Biologische Vielfalt
Klick in die Vielfalt 2012 - Fotowettbewerb zur UN-Dekade Biologische Vielfalt
Osnabrück, 09.05.2012: Begeisterte Naturfotografen sind eingeladen, sich an dem Fotowettbewerb „Klick in die Vielfalt 2012“ zu beteiligen.
Weiterlesen
Straße in Amazonien könnte Land unkontaktierter Völker durchtrennen
Straße in Amazonien könnte Land unkontaktierter Völker durchtrennen
Berlin / London, 06.05.2012: Perus Kongress steht kurz davor eine kontrovers diskutierte Straße zu genehmigen, die das Land von mindestens zwei unkontaktierten Völkern durchtrennen würde.
Weiterlesen
10 Jahre illegal: "Menschensafari"-Straße in Indien bleibt geöffnet
10 Jahre illegal: "Menschensafari"-Straße in Indien bleibt geöffnet
Berlin / London, 04.05.2012: Die Andamanenstraße im Zentrum der Kontroverse um "Menschensafaris" bleibt weiterhin geöffnet, genau zehn Jahre nachdem Indiens Oberstes Gericht ihre Schließung anordnete.
Weiterlesen
Wissenschaftler fordern Verbot von Terraristikbörsen in Deutschland und der EU
Wissenschaftler fordern Verbot von Terraristikbörsen in Deutschland und der EU
Gerlingen, 02.05.2012: Eine heute veröffentlichte wissenschaftliche Untersuchung fordert ein europaweites Verbot von Terraristikbörsen – zum Schutz von Menschen, Tieren und der Umwelt.
Weiterlesen
Beagle Gizmo setzt sich mit VIER PFOTEN gegen Tierversuche ein
Beagle Gizmo setzt sich mit VIER PFOTEN gegen Tierversuche ein
Hamburg, 02.05.2012: Gizmo ist der Name des kleinen Beagles, der von nun an das Gesicht der Anti-Tierversuchskampagne von VIER PFOTEN sein wird.
Weiterlesen
Colin Firth startet Kampagne für "das bedrohteste Volk der Welt"
Colin Firth startet Kampagne für "das bedrohteste Volk der Welt"
Berlin / London, 25.04.2012: Der Oscar-Preisträger Colin Firth gab heute den Startschuss für eine neue Kampagne von Survival International zur Rettung des "bedrohtesten Volkes der Welt": den Awá im brasilianischen Amazonasgebiet.
Weiterlesen
Gerichtsurteil: Die Rettung von Tieren aus dem Ausland ist Tierschutz und kein Handel!
Gerichtsurteil: Die Rettung von Tieren aus dem Ausland ist Tierschutz und kein Handel!
Schwarmstedt, 25.04.2012: Am 19. April 2012 hat das Verwaltungsgericht Lüneburg in der Sache "Internationaler Tierschutzverein Grenzenlos e.V. ./. Landkreis Soltau -Fallingbostel" ein Urteil gefällt, das für alle Tierschutzvereine in der Bundesrepublik Deutschland, die Heimtiere aus süd-und osteuropäischen Ländern vor Tod und Misshandlung retten, von größtem Interesse und weitreichender Bedeutung ist.
Weiterlesen