im Lexikon
Social Bookmarks
Über unser Institut
Inserate
Folgen Sie uns nach Facebook


Top-News Recycling und Entsorgung
Zu Olympia 2012 mit alten Flaschen: Immer mehr Produkte aus PET-Recycling
Einweg versus Mehrweg: Verbraucher durch Vielfalt verunsichert
Verbrauch von Plastiktüten zurückdrängen. Auch Verbot möglich
Wegwerfen oder Reparieren? Verbraucherinfothek geht Kundendiensten nach
Erstes Recycel-Programm für Stifte
Die ökologische Entsorgung und Verwertung von Verpackungsabfällen stärken
Ungeahnte Rohstoffquellen vor der eigenen Tür
Wer nicht trennt, zahlt doppelt
Thema Wertstofftonne in Berlin: Absage an kommunale oder private Monopolstrukturen
Illegalen Export von E-Schrott verhindern
Inserate

Dosenpfand-Desaster: Mehrweg verschwindet aus den Supermarktregalen


Nürnberg/München/Berlin, 08.08.2007: Der Trend zu Einwegverpackungen für alkoholfreie Getränke hat sich beschleunigt: Wie das Nachrichtenmagazin "Focus" unter Berufung auf die Gesellschaft für Konsumforschung (GfK) berichtet, ging die Mehrwegquote im ersten Halbjahr 2007 im Vergleich zum Vorjahreszeitraum um mehr als sechs Prozentpunkte zurück. Nur noch 30,7 Prozent der alkoholfreien Getränke wurden in den ersten sechs Monaten in wieder befüllbaren Verpackungen gekauft.


Zwischen Januar und Juli 2006 waren es noch 37 Prozent. In den 1990er Jahren lag dieser Wert deutlich über 70 Prozent. „Die Entwicklung ist für die mittelständische Getränkeindustrie, die in Mehrweggebinden abfüllt, katastrophal. Schuld an dieser Misere ist die völlig missglückte Dosenpfand-Regelung der Verpackungsverordnung . Durch die eingesparten Gebühren für den Grünen Punkt, durch nicht eingelöste Pfandbeträge und durch Recyclingeinnahmen für PET -Flaschen erzielen die Discounter mehrere hundert Millionen Euro Mehreinnahmen.

Mit diesem Geld können sie über Quersubventionen den Preis für Einweggetränke künstlich niedrig halten. Umgerechnet auf den Literpreis kostet Mineralwasser beim Discounter 13 Cent und im normalen Einzel- oder Getränkehandel 50 Cent. Hier muss die Politik eingreifen und dafür sorgen, dass einige Handelskonzerne nicht nach Gutsherrenart mit dem Dosenpfand-Gewinn wirtschaften dürfen. Die Pfandeinnahmen müssen treuhänderisch unter staatlicher Kontrolle verwaltet werden“, fordert ein Vertreter der Getränkewirtschaft.

Bislang höre man aus dem Bundesumweltministerium (BMU) nur Beschwichtigungsfloskeln. Zudem werde von Behördenvertretern in Abrede gestellt, dass die Discounter im großen Stil Dosenpfand-Gewinne einheimsen.

Die betroffenen Firmen erleben die Getränke-Preisschlacht der Discounter anders: „Die Todesspirale für den Mittelstand ist in vollem Gange und die Speerspitze für den ruinösen Preiskampf liefert die Regierung. Normalerweise kalkulieren Konzerne wie Aldi einen Erlös von 10 Prozent. Mit den Pfandeinnahmen über die nicht zurückgebrachten Einwegflaschen erwirtschaften die Discounter mit dem Segen der Bundesregierung eine Spanne von über 40 Prozent. Die lachen sich ins Fäustchen“, moniert Ullrich Schweizer, Marketing-Geschäftsführer der Firma Hassia Mineralquellen.

Aus rechtlichen Gründen, so sind sich die Vertreter der Getränkewirtschaft einig, müsse die Bundesregierung eingreifen. In der Verpackungsverordnung sei eindeutig vorgegeben, dass 80 Prozent aller Getränke in ökologisch vorteilhaften Verpackungen abgefüllt werden. Und dazu zählen in erster Linie Mehrwegflaschen.

Von dieser Ziellinie sei das Bundesumweltministerium Lichtjahre entfernt. Minister Gabriel könne nicht auf der einen Seite ein milliardenschweres Klimaschutzprogramm auflegen, und auf der anderen Seite tatenlos zusehen, wie Mehrweg vor die Hunde geht. Wer Einweg-Mineralwasser in PET beim Discounter kauft, belastet nach Angaben der Deutschen Umwelthilfe das Klima mit fast doppelt so hohen Kohlendioxid -Emissionen wie jemand, der sich für ein Getränk in einer Mehrwegflasche entscheidet.

Die Mehrheit der Unternehmen von Handel und Industrie habe bereits das Vertrauen in die Geltung und Ernsthaftigkeit der Verpackungsverordnung verloren – und zwar mit langfristigen Folgen, verlautete es aus politischen Lobbykreisen. Bund und Länder müssten sich wohl eingestehen, dass die rechtlichen Vorgaben nur noch schwer umsetzbar seien. Die Verpackungsverordnung sei dabei, sich zur Farce zu entwickeln, die über den direkten Regelungsbereich hinaus der Glaubwürdigkeit der Politik und dem Verantwortungsbewusstsein der Wirtschaft schadet.

Von Gunnar Sohn

Redaktion
medienbüro.sohn
Ettighoffer Straße 26 A
53123 Bonn
Tel: 0228 – 620 44 74
Fax: 0228 – 620 44 75
Mobil: 0177 620 44 74
medienbuero@sohn.de;
www.ne-na.de
Autor: neue nachricht
2757 Aufrufe
Stand: 8. August 2007
Erstellt: 8. August 2007

Weiterführende Informationen:

Weitere Meldungen zum Thema "Dosenpfand":

Der Abstieg des Mehrweg-Weltmeisters: Umweltministerium kapituliert vor der Einweg-Flut - Geschäft mit PET-Flaschen für Discounter eine Goldgrube Der Abstieg des Mehrweg-Weltmeisters: Umweltministerium kapituliert vor der Einweg-Flut - Geschäft mit PET-Flaschen für Discounter eine Goldgrube
Berlin, 18.06.2010: Während in Südafrika die besten Nationen um die Krone des Fußballs kämpfen und das deutsche Team sich in Top-Form präsentiert, verliert Deutschland den umweltpolitischen Titel des Mehrweg-Weltmeisters:
Jetzt ist es amtlich: Mehrweggetränke schmieren ab! Jetzt ist es amtlich: Mehrweggetränke schmieren ab!
Köln, 13.12.2009: Die Bundesregierung hat jetzt nach Angaben des Bundeswirtschaftsministerium das Zahlenwerk für die Entwicklung der Mehrweggetränke für den Zeitraum von 2004 bis 2007 beschlossen. In diesem Zeitraum ist die Mehrwegquote von 71 auf 55 Prozent abgesackt. Als Hauptgrund für den Trend zu Einweg gab die Ministerialbeamtin Andrea Jünemann den gestiegenen Marktanteil der Discounter an.
Studie des Öko-Instituts: Umweltabgabe als Weg aus der Mehrwegkrise Studie des Öko-Instituts: Umweltabgabe als Weg aus der Mehrwegkrise
Berlin, 20.11.2009: www.ne-na.de - Der Naturschutzbund Deutschland (NABU) hat wegen der immer weiter steigenden Marktanteile umweltschädlicher Einwegflaschen aus Plastik die Einführung einer Umweltabgabe auf Getränkeverpackungen gefordert. Eine Materialsteuer zusätzlich zum Einwegpfand ebne den Weg aus der Mehrwegkrise. Auch würde die Abgabe Hersteller umweltbelastender Getränkeverpackungen ganz im Sinne der Produktverantwortung mehr in die Pflicht nehmen.
Schummeln mit dem Dosenpfand – Ein Fall für das Kartellamt Schummeln mit dem Dosenpfand – Ein Fall für das Kartellamt
Hannover/Kassel, 28.04.2009: www.ne-na.de - Mit der ökologischen Korrektheit hat der Technology Review-Blogger Niels Boeing merkwürdige Erfahrungen gesammelt. Er wollte Einwegflaschen und Dosen am Rücknahmeautomaten eines Supermarktes zurückgeben. Zwei Dosen spukte der Apparat wieder aus. Eine Verkäuferin erklärte Boing, dass die abgewiesenen Einwegverpackungen kein Pfandsymbol tragen würden und deshalb nicht zurückgenommen werden.
Discounter tragen Mehrweg zu Grabe: Politik gibt freies Geleit Discounter tragen Mehrweg zu Grabe: Politik gibt freies Geleit
Berlin/Bonn, 12.12.2008: Bundesumweltministerium, Wirtschaftslobbyisten und selbst Umweltaktivisten bestreiten hartnäckig die negativen Folgen des falsch konstruierten Dosenpfandes auf die Mehrwegentwicklung – obwohl die Warnschüsse mittlerweile zu Salven werden: "Es ist klar, dass viele Wirtschaftsvertreter keinerlei Daten veröffentlichen. Sie würden sonst eine ihrer schönsten und geheimsten Einnahmequellen offenbaren.
Mehrwegdesaster: Getränkewirtschaft erzürnt über Dosenpfandbilanz des Umweltministeriums Mehrwegdesaster: Getränkewirtschaft erzürnt über Dosenpfandbilanz des Umweltministeriums
Berlin, 01.11.2008: Mit heftiger Kritik reagiert Wirtschaftsvereinigung Alkoholfreie Getränke (wafg) auf die vom Bundesumweltministerium veröffentlichte Dosenpfand Bilanz. Wenn das BMU den Erfolg des Dosenpfandes anhand der Mehrwegquote bei Bier festmachen will, so entspricht dies nur einer Seite der Medaille. Parallel zu der positiven Mehrwegentwicklung bei Bieren sind die offiziellen Mehrwegquoten, die erst bis zum Jahre ...
Die Dosenpfandwelt des Sigmar Gabriel Die Dosenpfandwelt des Sigmar Gabriel
Berlin/Bonn, 01.11.2008: Das 2003 eingeführte Pfand auf Einweg-Getränkeverpackungen wie Dosen und Plastikflaschen hat nach Auffassung des Bundesumweltministeriums zu einem starken Anstieg des Mehrweganteils bei Bier geführt. "2006 betrug er 87 Prozent, vor Einführung des Dosenpfandes im Jahr 2003 lag er noch bei 68 Prozent. Insgesamt erreichte der Anteil der Mehrwegverpackungen und ökologisch vorteilhafter Einwegverpackungen im Jahr 2006 knapp ...
Ökologisch vorteilhafte Getränkeverpackungen im freien Fall Ökologisch vorteilhafte Getränkeverpackungen im freien Fall
Berlin/Bonn, 23.08.2008: Seit der Einführung des Dosenpfandes mehren sich die Hiobsbotschaften für die Mehrwegbranche. Nach den aktuellen Zahlen der Gesellschaft für Konsumgüterforschung (GfK) wurden im ersten Halbjahr nur noch 27,2 Prozent der alkoholfreien Getränke in Mehrwegflaschen verkauft – 2,6 Punkte weniger als noch im Jahr 2007. Einen Zusammenhang mit dem Pfand für Einweggetränke will das Bundesumweltministerium (BMU) aber nicht ...
Dosenpfand gräbt Mehrweg das Wasser ab Dosenpfand gräbt Mehrweg das Wasser ab
Stuttgart/Bonn, 24.07.2008: Die Mineralbrunnen-Branche ist nach einem Bericht der Stuttgarter Zeitung durch die Dosenpfand-Einführung in eine kritische Lage manövriert worden. "Die Preise für Mineralwasser haben in den vergangenen Jahren stetig nachgegeben. Discounter wie Lidl und Aldi verkaufen zurzeit eine 1,5-Liter-Flasche für 19 Cent, das ist billiger als das Pfand, das pro Einwegflasche erhoben wird.
Mehrwegquote unter 30 Prozent-Marke: Dosenpfand vernichtet mittelständische Getränkeindustrie Mehrwegquote unter 30 Prozent-Marke: Dosenpfand vernichtet mittelständische Getränkeindustrie
Berlin/Düsseldorf, 24.01.2008: www.ne-na.de - Das seit 2003 gültige Pflichtpfand auf Einweg-Getränkeverpackungen hat den dramatischen Verfall der Mehrwegquote bei alkoholfreien Getränken nicht stoppen können. Nach Angaben der Wirtschaftsvereinigung Alkoholfreie Getränke (wafg) in Berlin sank die Mehrwegquote in diesem Sektor von 51,4 Prozent im Jahr 2002 auf nur noch 29,9 Prozent Ende 2007.
Umweltlexikon-online.de ist ein Projekt des KATALYSE Institutes, Köln
in Kooperation mit der André Sepeur Medienberatung, Saarlouis
Das KATALYSE-Journal ist ein Projekt der André Sepeur Medienberatung, Saarlouis.
Die presserechtliche Verantwortlichkeit entnehmen Sie bitte den Kontaktdaten des folgenden Impressums
© 1999 - 2012