Katalysejournal | Artikel Nr.: 17659

Offener Brief an Horst Seehofer von Franz Alt


Baden-Baden, 11.04.2011: Lieber Horst Seehofer, Sie wollen jetzt vom Atom-Politiker zum Sonnenpolitiker werden. Als Realpolitiker wissen Sie, dass Sie nur mit dieser Umkehr eine Chance für Ihre Wiederwahl haben. Also: Willkommen im Club der Freunde der Erneuerbaren Energien!

In Bayern haben Sie beste Voraussetzungen für die hundertprozentige solare Energiewende . Bayern ist bereits heute Solarweltmeister. Allein 2010 wurden hier mehr Solaranlagen installiert als in Japan und in den USA zusammen.

Biogasanlagen und Pellet-Heizungen werden im ganzen Freistaat gebaut. Und Bayern hat in Deutschland die größten Wasserkraftreserven.

Sechs bayerische Landkreise, meist CSU-regiert, haben bereits beschlossen, bis 2025 zu 100% erneuerbar zu werden. Im Freistaat gibt es schon heute Dörfer, die weit mehr erneuerbare Energie produzieren als dort alle Einwohner verbrauchen. In 10 bis 15 Jahren kann ganz Bayern erneuerbar sein, freilich nur mit einer erneuerbaren Regierung. Das geht ohne längere Laufzeiten der Atomkraftanlagen und ohne neue Kohlekraftwerke. Eine Solaranlage ist in drei Tagen, ein Windrad in drei Wochen und eine Biogasanlage in drei Monaten installiert.

Da ich in diesen Fragen seit vielen Jahren weltweit Regierungen und Konzerne berate, dazu 10 Bücher geschrieben und über 30 Fernsehsendungen produziert habe, weiß ich wovon ich rede.

Richtig ist, dass wir noch Netze, Speicher und Leitungen brauchen. Das schafft Arbeit und Arbeitsplätze in Zukunftstechnologien. Pumpspeicher-Kraftwerke, Druckluftspeicher-Kraftwerke, Kombi-Kraftwerke mit Biogasanlagen, Windrädern und Solaranlagen, solar erzeugter Wasserstoff , die Kombination von Wasserkraft und Windparks, aber auch zehntausende Elektor-Autos, die miteinander vernetzt sind und Kraft-Wärme-Kopplung - so heißen die Speichertechnologien von morgen.

An vielen Orten – auch in Bayern - wird an effizienteren Batterien geforscht. Die Lösungen sind bekannt. Wir können heute ein ökologisches Wirtschaftswunder mit Millionen neuen, zukunftsfähigen Arbeitsplätzen organisieren.

Die Probleme einer dauerhaften fossil-atomaren Energieversorgung sind hingegen grundsätzlich nicht lösbar. Schon deshalb, weil die alten Rohstoffe allesamt zu Ende gehen.

Eine dezentrale Energiestruktur, getragen von vielen neuen Stadtwerken, Millionen Hausbesitzern, hundertausenden Mittelständlern, Handwerkern und Bauern braucht weniger Leitungen als die heutigen zentralen Strukturen.

Windräder auch in Bayern sind preiswerter als lange Leitungen für Windstrom von Nord nach Süd. Wir müssen im Süden nur 20 Meter höher mit den Windmühlen und haben dann Windverhältnisse wie an der Küste.

Gestalten Sie, Herr Seehofer, die Energiewende nach dem Subsidiaritätsprinzip der katholischen Soziallehre, also von unten nach oben. Dies wäre beste CSU-Tradition.

Wenn Sie in 10 Jahren die Energiewende in Bayern schaffen, schenke ich Ihnen eine Kiste Badischen Wein – von der Sonne verwöhnt!


Baden-Baden, 11. April 2011 | Sonnige Grüße, Ihr Franz Alt

Quelle: © Franz Alt 2011
Autor: Franz Alt
Aufrufe seit August 2009
Stand: 23. September 2011
Erstellt: 11. April 2011

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