Katalysejournal | Artikel Nr.: 17779

Leistung statt Quote (Ein Kommentar von Dr. Alexander Ulfig)


Frankfurt a. M., 10.05.2011: Die Diskussion zur Frauenquote in der Wirtschaft läuft auf falschen Gleisen. Es wird gefordert, in bestehenden Unternehmen eine Frauenquote in den Vorstandsetagen einzuführen. Die Einführung der Frauenquote wird als Gleichberechtigung deklariert. Frauen sind aber bereits gleichberechtigt.

Das heißt, dass jede Frau wie auch jeder Mann das Recht hat, ein eigenes Unternehmen zu gründen. Dort könnte sie in den Vorstand berufen, wen sie möchte. Wird hingegen in bestehenden Unternehmen eine Quote eingeführt, so verletzt es das Prinzip der unternehmerischen Freiheit. Es stellt eine staatliche Einmischung in die Entscheidungen von Arbeitgebern dar.

Dass Frauen in den Vorstandsetagen unterrepräsentiert sind, ist eine Tatsache. Doch muss diese Unterrepräsentanz nicht eine Folge ihrer Diskriminierung sein. Es kann eine Folge davon sein, dass sich Frauen für diese Stellen weniger als Männer interessieren oder dass Männer für diese Stellen besser als Frauen qualifiziert sind, sich für sie – aus welchen Gründen auch immer – besser eignen. Führt man in den Vorstandsetagen eine Quote ein, so werden nicht nur die unterschiedlichen Interessen von Männern und Frauen nicht berücksichtigt, sondern wird auch die individuelle Qualifikation als das entscheidende Kriterium bei der Stellenvergabe außer Kraft gesetzt.

Es zählt nicht mehr die individuelle Qualifikation, sondern die Gruppenzugehörigkeit, das Geschlecht. Immer wieder lesen wir, dass der Anteil von Frauen in Führungspositionen der Wirtschaft erhöht werden soll. Eigentlich sollte ein Unternehmen daran interessiert sein, den Anteil von Mitarbeitern zu erhöhen, die besser qualifiziert sind als Mitarbeiter anderer Unternehmen. Mit anderen Worten: Es sollte daran interessiert sein, sich die besten Leute zu holen, und zwar unabhängig von Geschlecht, Nationalität, Hautfarbe usw. Nur auf diese Weise kann es am besten funktionieren und die größten Gewinne erwirtschaften.

Müsste man die Ansprüche aller unterrepräsentierten Gruppen berücksichtigen, würde es nicht nur zu Ungerechtigkeiten führen, denn die Bestqualifizierten würden nicht die ihnen zustehenden Stellen erhalten, sondern auch die Praxis der Stellenvergabe ad absurdum führen. Das Unternehmen würde sich in einem Krieg zwischen den Gruppen auflösen. Oft spricht man in der Quoten-Diskussion von einer „gläsernen Decke“ oder von „Männer-Seilschaften“, die Frauen daran hindern, Karriere in der Wirtschaft zu machen. Erstens lässt sich eine „gläserne Decke“ nicht nachweisen. Es lässt sich also nicht nachweisen, dass Männer Frauen Steine in den Karriereweg legen. Deshalb handelt es sich bei der Behauptung, Männer würden die Karrieren von Frauen behindern, um eine unfaire Unterstellung, eigentlich um eine Beleidigung der Manager. Es verwundert, dass sich Manager gegen diese Beleidigung nicht wehren.

Zweitens: Die Personen, die in den Vorständen arbeiten, tun es nicht in ihrer Eigenschaft als Männer oder Frauen, sondern in ihrer Eigenschaft als Manager, noch besser: Sie tun es als Individuen und nicht als Repräsentanten ihres Geschlechts. Der Arbeitsrechtler Jobst-Hubertus Bauer betont in einem Interview für die „Wirtschaftswoche“: „Das Ziel von Diskriminierungsverboten liegt gerade darin, dass jeder Mensch im Arbeitsleben als Individuum und nicht als Mann oder Frau bewertet wird.“ Ein weiteres Argument für die Frauenquote besagt, dass Frauen bessere Studienabschlüsse als Männer haben, in den Vorstandsetagen aber trotzdem unterrepräsentiert sind.

Man kann hier mit Berechtigung fragen, was das eine mit dem anderen zu tun hat. Die Welt ist voll von Geschäftsleuten und Managern, die gar keinen Hochschulabschluss haben. Offensichtlich sind für den Manager-Job andere Qualifikationen als gute Noten erforderlich. In den Gleichstellungsgesetzen lesen wir: „Bei gleicher Qualifikation werden Frauen bevorzugt, bis der Anteil von x Prozent erreicht ist“. Diese Satzung, die vorwiegend im Öffentlichen Dienst gilt, läuft auf eine festgelegte Quote hinaus. Dabei wird übersehen, dass es in den allermeisten Arbeitsbereichen „gleiche Qualifikation“ niemals geben kann. „Gleiche Qualifikation“ gibt es allerhöchstens bei einfachen Tätigkeiten, wie zum Beispiel Verpacken oder Kassieren. Qualifikationen, die man zum Beispiel für den Manager-Job braucht, sind viel zu komplex , um in ihrem Fall von Gleichheit zu sprechen. Manager sind immer unterschiedlich qualifiziert.

Ähnliches gilt für Wissenschaftler, Ärzte, Juristen, Journalisten oder Politiker. Die Satzung „bei gleicher Qualifikation“ ist ein wichtiges Instrument der Quotierung und somit der Bevorzugung von Frauen. Bei vielen Einstellungsverfahren lassen sich nämlich Qualifikationsunterschiede aufgrund bestehender, oft mangelhafter Qualifikationskriterien nur schwer feststellen. Da, wo Unterschiede schwer festzustellen sind, kann immer gesagt werden, dass „gleiche Qualifikation“ vorliegt, und es kann schnell zugunsten von Frauen entschieden werden. Statt von „gleicher Qualifikation“ zu sprechen, sollten wir uns am Prinzip der besseren individuellen Qualifikation orientieren. Das Prinzip besagt: Eine Arbeitsstelle sollte diejenige Person erhalten, die für diese Stelle am besten qualifiziert ist, und zwar im Absehen von Geschlecht, Nationalität, Ethnie, Hautfarbe, sexueller Orientierung und Religions- sowie Parteizugehörigkeit.

Orientierten wir uns an diesem Prinzip, würde eine allein auf individuelle Leistung bezogene Beurteilung und Auswahl von Bewerbern erfolgen. Statt über Quoten zu diskutieren, wäre es viel sinnvoller, weitere Qualifikationskriterien auszuarbeiten, die die Stellenvergabe an Bestqualifizierte gewährleisteten. Wir brauchen eine konsequente Politik der Qualifikation. Sie würde nicht nur mehr Gerechtigkeit bei der Stellenvergabe schaffen, sondern auch mehr Effizienz in der Wirtschaft und in anderen Arbeitsbereichen zur Folge haben.

Dr. Alexander Ulfig arbeitet als Autor und Publizist. Er schreibt u. a. für die Internetzeitschrift „Die Freie Welt“ (www.freiewelt.net/person-284/dr.-alexander-ulfig.html) und ist mitverantwortlich für die Internetseite „Qualifikationstatt Quote“ (www.streitbar.eu/qsq.html).

Dieser Artikel erschien ursprünglich auch im P.T. Magazin-Online
Autor: Dr. Alexander Ulfig
Aufrufe seit August 2009
Stand: 21. September 2011
Erstellt: 10. Mai 2011

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