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Was geschah am 12.9.1986?


Berlin, 28.12.2006: Risikogebiet Elbmarsch. Seit Ende der 80er Jahre erkranken dort statistisch gesehen mehr Kinder an Leukämie als irgendwo sonst auf der Welt. Von offizieller Seite gibt es dazu keine Erklärung. Am Nordufer der Elbe stehen in Sichtweite das KKW Krümmel und das Kernforschungszentrum GKSS. Die Bürgerinitiative gegen Leukämie in der Elbmarsch e.V., die Gesellschaft für Strahlenschutz e.V. und die IPPNW haben nun eine Dokumentation veröffentlicht: Eine Kette von Indizien weist auf ein radioaktives Ereignis am 12. September 1986 hin.


An diesem Tag wurde nachweislich eine erhöhte Radioaktivität auf dem Gelände des Kernkraftwerks Krümmel registriert. Die Aufsichtsbehörde behauptete damals, es habe sich dabei um das natürlich vorkommende Edelgas Radon gehandelt, dass sich aufgrund einer besonderen Wetterlage aufgestaut habe. Es sei dann vom Kraftwerk angesogen worden und habe dort die erhöhten Messwerte verursacht. Die Autoren der Dokumentation zeigen, dass das aus physikalischen und meteorologischen Gründen nicht möglich ist und eine bewusste Irreführung der Öffentlichkeit darstellt.

»Das ist kein Streit unter Wissenschaftlern, sondern ein Kriminalfall«, sagte Uwe Harden, Sprecher der Bürgerinitiative auf einer Pressekonferenz, bei der die Dokumentation »Elbmarsch - Stationen einer Aufklärung« präsentiert wurde. »Wir wissen schon sehr viel, aber meist nur aus dritter oder vierter Hand«, so Harden. Die Bürgerinitiative sucht nun Augenzeugen für den möglichen Atomunfall am 12. September 1986. »Wir hoffen auf einen Aufklärungsschub«, sagte Professor Dr. Inge Schmitz-Feuerhake, Mitglied der ehemaligen Leukämiekommission der schleswig-holsteinischen Landesregierung.

2004 trat die Mehrheit der schleswig-holsteinischen Leukämiekommission unter Protest zurück. Auf der Pressekonferenz stellte der damalige Vorsitzende der Kommission Professor Dr. Otmar Wassermann fest: »Es wurde alles getan, um unsere Arbeit zu behindern. Dabei reißt die Serie der Erkrankungen nicht ab.«

In diesem Jahr sind in den Samtgemeinden Bardowick und Scharnebeck, 5-10 km von den Atomanlagen in Gessthacht entfernt, zwei Kinder an Leukämie erkrankt. Auch in der Stadt Winsen erkrankten zwei 15-jährige Kinder an Leukämie. Winsen liegt etwas mehr als 10 km vom Atomkraftwerk Krümmel entfernt. Für viele Menschen in der Region stellt sich die Frage, in welchem Ausmaß ihre Kinder und Jugendlichen immer noch bedroht sind. »Diese Frage können wir nicht abschließend beantworten. Es bleibt eine Unsicherheit«, sagt Dr. Hayo Dieckmann Leiter des Gesundheitsamts im Landkreis Lüneburg und IPPNW-Mitglied. Man könnte sehr viel besser einschätzen, mit welchen Schäden noch zu rechnen ist und welche Schutzmaßnahmen ergriffen werden müßten, wenn die verantwortlichen Stellen endlich ihr Schweigen brechen und erzählen würden, was im September 1986 wenige Monate nach der Tschernobylkatastrophe passiert ist.

In der vorgestellten Dokumentation wird die Strahlenbelastung der Bevölkerung infolge des Unfalls rekonstruiert. Schon das radioaktive Thorium allein, das in der Elbmarsch mehrfach nachgewiesen wurde, reicht aus, die Leukämieerkrankungen in der Elbmarsch zu erklären. Thorium wurde als Kontrastmittel (Thorotrast) in der Röngendiagnostik lange eingesetzt, bis man auf die Nebenwirkung aufmerksam wurde: Leukämie.

Die Autoren der Dokumentation unterstützen die Landesabgeordneten in Schleswig-Holstein und Niedersachsen, die sich für eine umfassende und transparente Aufklärung der Leukämiefälle einsetzen.
Autor: Internationale Ärzte für die Verhütung des Atomkrieges/ Ärzte in sozialer Verantwortung e.V.
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Stand: 28. Dezember 2006
Erstellt: 28. Dezember 2006

Weiterführende Informationen:

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