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Alptraum in Großbritannien: Atommülltransport in London völlig ungeschützt


Hamburg, 25.07.2006: "Das Tor stand offen, nirgendwo Wachpersonal in Sicht ... Ich ging zum Zug hinüber und platzierte meine Bombe", berichtet ein Journalist der britischen Zeitung Daily Mirror. Sein Artikel hat am Freitag in England für Schlagzeilen gesorgt. Der Zug: ein Atommülltransport. Der Schauplatz: ein Betriebsgelände der Bahn im Nordwesten Londons. Alles war echt, nur die Bombe war vorgetäuscht.


Jede Woche fahren die Züge quer durch Großbritannien. Sie sehen aus wie normale Güterzüge - eine Lok mit vier Anhängern. Doch die Fracht ist hochbrisant. In den Behältern befindet sich Atommüll aus britischen AKW . Er wird hunderte Kilometer weit nach Sellafield in die so genannte Wiederaufarbeitungsanlage transportiert.

Der Journalist Tom Parry und ein Fotograf beobachteten die Züge zwei Monate lang. Sie stellten fest, dass der Atommüll während seiner Zwischenaufenthalte in den Depots der Bahn häufig unbewacht blieb. Bei den Stopps wird das Personal ausgewechselt. Als Parry und sein Begleiter an den Wagggons mit dem radioaktiven Zeichen entlanggingen, lief sogar die Maschine noch. Für Entführer eine leichte Beute.

Das weitläufige Betriebsgelände in Nordwestlondon ist umgeben von einem Krankenhaus, einem Sportplatz, Wohnhäusern und einer der meistbefahrenen Straßen der Hauptstadt - der perfekte Schauplatz für einen terroristischen Anschlag. Der britische Experte John Large schätzt laut Daily Mirror, dass bei einem Unglück in London 8.000 Menschen auf der Stelle sterben könnten und rund 190.000 weitere evakuiert werden müssten.

Fazit der Geschichte: Jeder kann's, wenn er nur will. Wirklich jeder. Arbeitsanzug und Helm genügen als Tarnung. Der Bericht im Daily Mirror dürfte dem britischen Premier Tony Blair einen mächtigen Schlag versetzt haben. Das Gedenken der Opfer des terroristischen Anschlags in London vor einem Jahr liegt erst wenige Tage zurück. Und Blair hat Großbritannien gerade eine neue Generation von Atomkraftwerken verordnet.

Das kann in Deutschland nicht passieren? Genauso sicherlich nicht, nein. Aber auch deutsche Atomanlagen sind nicht so sicher, wie die Atomlobby uns weismachen will. "Die Atomindustrie ist ein Sicherheitsalptraum. Atomkraftwerke und Atomtransporte sind vor terroristischen Anschlägen nicht zu schützen", sagt Thomas Breuer, Atomexperte von Greenpeace. "Wie wenig die zuständigen Behörden auch in Deutschland versuchen, gefährliche Atomanlagen und Atomtransporte zu sichern, ist schon sehr erschreckend."

Ein Beispiel: Wenn in Deutschland die Castoren unterwegs sind, sehen wir in den Medien regelmäßig Bilder von massivem Polizeigeleit. Doch diese Bilder trügen. Die schwere Bewachung beginnt erst kurz vor dem Ziel, im Wendland. Auf dem Weg von der Wiederaufarbeitungsanlage über die deutsche Grenze bis fast ans Ziel fahren die Züge mit den Atommüllbehältern ohne angemessenen Schutz.
Autor: Greenpeace e.V.
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Stand: 25. Juli 2006
Erstellt: 25. Juli 2006

Weiterführende Informationen:

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