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Forsa: Mehrheit der Deutschen meint, Natur- und Artenschutz findet zu wenig Beachtung


Berlin, 25.05.2010: 53 Prozent der Deutschen sind der Ansicht, dass bei Entscheidungen über große Bauprojekte zu wenig Rücksicht auf den Natur- und Artenschutz genommen wird. In der Gruppe der unter 30-jährigen sowie der befragten Frauen sind sogar fast zwei Drittel dieser Meinung.

34 Prozent der Bevölkerung finden, bei solchen Entscheidungen werde der Natur- und Artenschutz angemessen berücksichtigt. Lediglich 10 Prozent der Deutschen meinen, dass zu viel Rücksicht auf den Naturschutz genommen wird.

Das sind Ergebnisse einer vom Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND) kurz vor dem Internationalen Tag der biologischen Vielfalt (22. Mai) in Auftrag gegebenen repräsentativen Umfrage des Meinungsforschungsinstitutes Forsa unter 1004 Bundesbürgern.

Generell unterschätzen die Deutschen die Dramatik des Artensterbens. Nur 15 Prozent der von Forsa Befragten nannten korrekt, dass sich die Anzahl der Tier- und Pflanzenarten weltweit pro Jahr zwischen 55.000 und 75.000 Arten verringert. 58 Prozent sind der Meinung, jährlich verschwinden zwischen 10.000 und 15.000 Arten, 23 Prozent der Befragten schätzen die Zahl der pro Jahr weltweit aussterbenden Arten auf bis zu 250.

Hubert Weiger, BUND-Vorsitzender: "Die Forsa-Umfrage zeigt, dass die Bevölkerung dem Naturschutz einen hohen Stellenwert zumisst. Hoffen lässt auch, dass vor allem junge Menschen Politik und Wirtschaft deutlich signalisieren, dass der Natur- und Artenschutz bei ihren Entscheidungen sehr viel stärker berücksichtigt werden muss." Das Unterschätzen der Dramatik des Artensterbens durch große Teile der Bevölkerung müsse der Bundesregierung Anstoß sein, eine Bildungsoffensive im Natur- und Artenschutz zu starten, sagte Weiger. Mit einer eigenen Kampagne werde der BUND zur besseren Vernetzung voneinander isolierter Lebensräume für Tiere und Pflanzen sorgen und das Bewusstsein dafür schärfen, dass der weltweite Artenverlust ebenso dramatische Folgen habe wie der Klimawandel . Die Kampagne soll die Hauptursache des Artenschwundes, die Zerstörung natürlicher Lebensräume durch Straßen, Bauprojekte und die industrielle Landwirtschaft stärker ins öffentliche Bewusstsein rücken.

Insgesamt waren 92 Prozent der von Forsa Befragten der Ansicht, dass ihnen Erhalt und Schutz der Artenvielfalt wichtig sind. 52 Prozent sagen sogar, das sei ihnen sehr wichtig. Nur sieben Prozent meinen, es sei ihnen weniger wichtig. Lediglich ein Prozent der Deutschen sagen, der Natur- und Artenschutz sei für sie überhaupt nicht wichtig.

Weiger: "Für 92 von hundert Befragten ist die Bewahrung der Artenvielfalt eine wichtige Angelegenheit. Das ist ein zusätzlicher Motivationsschub für alle Naturschützer. Auch auf politischer Ebene werden wir alles dafür tun, den Erhalt der biologischen Vielfalt ganz oben auf die Agenda zu setzen. Fortschritte muss vor allem die Welt-Naturschutzkonferenz im Oktober im japanischen Nagoya bringen."

2010 wurde von den Vereinten Nationen zum Jahr der Biodiversität erklärt. Ziel ist es, auf die weltweite Gefährdung vieler Tier- und Pflanzenarten sowie ihrer Lebensräume aufmerksam zu machen. Europa hatte sich verpflichtet, bis 2010 den Verlust seiner biologischen Vielfalt zu stoppen. Dieses Vorhaben wurde jedoch nicht erreicht.

Mehr Informationen

Die Forsa-Umfrage und die Kampagne des BUND zur Biotopvernetzung werden unterstützt durch LIFE-Mittel der EU. Das LIFE-Programm der Europäischen Union unterstützt Maßnahmen zugunsten von Natur und Umwelt in der EU. Damit will das Programm einen Beitrag zur Entwicklung, Durchführung und Aktualisierung der Umweltpolitik und der Umweltvorschriften in der Gemeinschaft leisten.

Autor: BUND Freunde der Erde
1629 Aufrufe
Stand: 25. Mai 2010
Erstellt: 25. Mai 2010

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