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DIE STILLE ANSCHALTEN - Protest gegen das Klangabwassersystem


Hamburg, 25.11.2009: Sie ist so selten dieser Tage... die Stille. Im Restaurant, auf dem Flughafen, im Auto, zu Hause, das Multitasking grassiert. Fernsehen anschauten, während ich zur selben Zeit einige Ausdrucksweisen in Barbers “Adagio” ausarbeitete. Ich habe das schnell beendet. Es ist eine Ironie, dass die Leute eine rauch-freie Umgebung haben wollen, aber nie bemerkt haben, dass sie von Musikverschmutzung umgeben sind.


Der große amerikanische Komponist des zwanzigsten Jahrhunderts, Paul Hindemith, nannte Musik, die an Plätze, an denen sie unerwünscht ist, "gepumpt" wird, "das enorme Klangabwassersystem in Amerika”.

Aber Klangbelästigung zeigt sich in vielen Formen. Auf dem Weg nach Madrid war eine Gruppe so rowdyhaft und laut, dass ich sie mehrmals bat leiser zu sein. Als Erwiderung verhöhnten sie mich — aggressiv.

Noch schlimmer entwickelte sich der folgende Rückflug nach New York. Einige Minuten vor der Landung beschallte uns die Crew mit „beruhigendem“ Jazz, um uns zu entspannen. Tatsächlich sollte die laute Musik uns ablenken von dem Vorgang der Landung – eine normalerweise etwas beunruhigende Phase. Unglücklicherweise hatte die sehr laute Jazzmusik genau den gegenteiligen Effekt. Ich konnte mich gar nicht in Ruhe auf die Landung einstellen. Ich wurde irritiert und nervös.

Mein Vater, der große Geiger Oscar Shumsky, wurde ärgerlich, wenn er in ein Restaurant kam, in dem Musik im Hintergrund gespielt wurde. Er bat das Personal stets sie auszumachen. Wenn der arme Kellner die ganze Sache noch verschlimmerte, indem er auf den klassischen Kanal umstellte, war mein Vater erst recht empört. Dies war viel schlimmer, weil wirkliche Musiker zuhören müssen, sie hören automatisch zu. Musik im Hintergrund ist ein Zeichen von Mangel an Konzentration. Jeder Musiker, der oder die ihr Gewicht wert ist, ist angeschaltet — nicht abgeschaltet, wenn die Musik spielt.

Und – trainieren wir dadurch nicht auch die Nicht-Musiker dazu, sich Musik nicht mit ihrem Herzen und Geist anzuhören?

Es ist eine Epoche, in der die IPODS 30.000 Lieder auf einen Chip gestopft haben. Wir können Nathan Milstein, Jascha Heifetz, und Oscar Shumsky vergleichen, um zu sehen wer der Beste ist. Dann, noch bevor der Satz beendet ist, auf die nächsten 42 Geiger klicken, die “Paganini Moto Perpetuo” im Gleichklang spielen. Sich zehn verschiedene Versionen von Beethovens Neunter Symphonie anhören und fünf verschiedene Versionen von Bruckners Sechster. Wo ich grad dabei bin, lass mich mal schnell diese Steuerformulare ausfüllen und faxen, während von meinem Computer Star Spangled Banner” ertönt, gespielt auf einem Didgeridoo von einem Virtuosen der Aboriginees.

Vor Jahren, als der großartige Geiger Jascha Heifetz in der Carnegie Hall sein Debut gab, hielt die Begeisterung nach seiner Darbietung der “ Wieniaski Scherzo-Tarantella“ monatelang — sogar Jahre an. Seine Performance war in den Geist der Konzertzuschauer eingeätzt. Er hatte einen unauslöschbaren Stil und hinterließ seine persönlichen Merkmale. Die großen alten Künstler hatten ihren Stil und man konnte alle sehr klar voneinander unterscheiden.

Wir haben die Romantik aus dem Leben gedrängt, Bedeutung und Werte verloren, und uns ersatzweise Geräusche von ohrenbetäubender Lautstärke eingehandelt, sodass wir nie mehr hören werden — all das, um uns davon abzuhalten unsere innere Stimme zu hören.

Daher ist es kein Schock, wenn nur wenige Künstler heute noch so etwas besitzen, wie ein individuelles Charakteristikum. Naturgemäß haben unsere Ziele sich verschoben zu fünf dreifachen Achsen, die auf meinem IPOD angeschaut werden können, der auch die Didgeridoo-Version von “Stars and Stripes” (mit Kazoo) gespeichert hat und 13 Winde, von denen sich 16 Versionen auf meinem GPOD befinden – der neuen und verbesserten Version des IPOD!

Aber was ist die Alternative?

Mein Vorschlag: ohne IPOD im Wald spazieren gehen. Einfach gehen. Ganz allein und den realen Klängen lauschen, die noch lebendig sind.

Alle großen Komponisten wurden von der Stille und der Nicht-Stille der Natur inspiriert, lange bevor der IPOD existierte.

Zu viele Informationen, zu viel Musik, zu viel Kritik, zu viele Ratschläge, Ideen, CDs, Politik, religiöse Gehirnwäsche und so weiter—die alten Pioniere der Musik suchten und fanden ihre eigenen Wege, um die Lösungen in ihrem Geist zu hören und sich ihre effektivsten Ausdrücke zu erarbeiten.

IPOD und Handy abschalten und spazieren gehen — ein auf neue Art nackter Gang durch die Wälder.


Eric Shumsky ist Bratschist. Für mehr Informationen über Eric Shumsky

Originalartikel auf Englisch: Tune in to Silence

Autor: The Epoch Times Deutschland
1670 Aufrufe
Stand: 25. November 2009
Erstellt: 24. November 2009

Weiterführende Informationen:

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